Der Roman Il giardino dei Finzi-Contini (Die Gärten von Finzi-Contini) von Giorgio Bassani erzählt die Geschichte einer wohlhabenden jüdischen Familie in Ferrara in den späten 1930er-Jahren, also während der Zeit des italienischen Faschismus. Ein Ich-Erzähler, erinnert sich an seine Jugend. Nachdem die faschistischen Rassengesetze von 1938 jüdische Bürger aus dem öffentlichen Leben ausschließen, finden einige junge Leute Zuflucht im abgeschlossenen, fast märchenhaft wirkenden Garten der Familie Finzi-Contini. Dort spielen sie Tennis, diskutieren, verlieben sich – als ob die politischen Ereignisse draußen nicht existierten. Doch diese scheinbare Idylle ist trügerisch. Der Garten wird zu einem Symbol für Isolation und für die Illusion, man könne sich vor der Geschichte schützen.
Auf leise, und zugleich sehr intensive Weise zeigt dieses Buch, wie Diskriminierung und Ausgrenzung Schritt für Schritt in das Leben ganz normaler Menschen eindringen. der Autor verzichtet auf dramatische Effekte; gerade die Zurückhaltung macht die Tragik umso stärker.
Giorgio Bassani ist für die italienische Literatur so bedeutend, weil er einer der wichtigsten literarischen Zeugen des jüdischen Lebens in Italien während des Faschismus war. Mit großer psychologischer Feinfühligkeit und stilistischer Klarheit verband er persönliche Erinnerung mit historischer Reflexion. Seine Werke – besonders „Il giardino dei Finzi-Contini“ – haben dazu beigetragen, ein lange verdrängtes Kapitel der italienischen Geschichte literarisch aufzuarbeiten und im kulturellen Gedächtnis zu verankern.
Die DIG beteiligt sich auch in diesem Jahr mit großer Freude am bundesweiten Lesemarathon, der vom Dachverband VDIG alljährlich initiiert wird. Der Verband ruft die Veranstaltung ins Leben, stellt organisatorische Leitlinien bereit und wählt sorgfältig Textpassagen aus, die allen teilnehmenden Vereinen zur freien Gestaltung zur Verfügung stehen.
Der Lesemarathon verbindet zahlreiche deutsch-italienische Gesellschaften in ganz Deutschland zu einem gemeinsamen literarischen Moment. Zeitgleich lesen sie aus demselben Werk – und doch erhält jede Veranstaltung durch das Engagement, die Stimmen und die Persönlichkeit ihrer Mitglieder eine ganz eigene, unverwechselbare Atmosphäre.
Auch unsere Mitglieder haben sich mit großer Begeisterung beteiligt und abwechselnd Passagen aus Il giardino dei Finzi-Contini vorgetragen. Die Veranstaltung fand im Ibachsaal des Stadtmuseum statt und war geprägt von aufmerksamer Anteilnahme und lebendigem Austausch.
So wird der Lesemarathon jedes Jahr aufs Neue zu einem warmherzigen Fest der Literatur – eine wunderbare Gelegenheit, sich gemeinsam den großen Klassikern der italienischen Literatur zu widmen und sie als lebendiges kulturelles Erbe zu feiern.







